| |
Wachstum durch Export muss Selbstläufer werden
BDI-Präsident Thumann beim SIHK-Exportforum
 |
|
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.
li.): Ernst Schulte, Hans-Otto Franz, BDIPräsident Jürgen
R. Thumann, SIHK-Präsident Harald Korte und Axel Vollmann.
© IHK
|
Einen Tag vor dem sogenannten Jobgipfel am 17. März
in Berlin hatten die Teilnehmer des dritten SIHK-Exportforums die
Gelegenheit, Forderungen der Wirtschaft aus erster Hand zu erfahren.
Der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI),
Jürgen R. Thumann, verlangte mehr Mut zu wachstums- und beschäftigungsorientierter
Politik, sowohl von der Bundesregierung, als auch von der Opposition.
„Es muss dabei ein Signal für mehr Investitionen in Deutschland
geben. Nur dadurch werden neue Arbeitsplätze geschaffen,“ sagte
Thumann vor über 200 Unternehmern und Führungskräften aus dem Märkischen
Südwestfalen.
„Zielmarken sind die Senkung der Unternehmenssteuern
auf einbehaltene Gewinne für Kapital- und Personengesellschaften
auf 25 Prozent inklusive Gewerbesteuer, die Abschmelzung der Erbschaftssteuer,
die Senkung der Lohnnebenkosten auf unter 40 Prozent, die Einrichtung
flexibler Bündnisse auf betrieblicher Ebene sowie die Förderung
von Forschung und Entwicklung“, betonte Thumann. Denn ein Standortwettbewerb
ist auch ein Innovationswettbewerb.
Reformen weiter vorantreiben
„Außer in Westeuropa und insbesondere Deutschland erlebt die Welt
einen Wirtschaftsboom wie seit 30 Jahren nicht mehr“, sagte SIHK-Präsident
Harald Korte. Über 200 interessierte Besucher verfolgten gespannt
die Veranstaltung. In diesem dynamischen weltwirtschaftlichen Umfeld
engagierten sich laut aktueller Umfragen von DIHK und SIHK die Unternehmen
angesichts des schwachen Wachstums des deutschen Marktes verstärkt
im Auslandsvertrieb und der Markterschließung. Die Auslandsinvestitionen
erlebten dank des Exportbooms 2004 ein Rekordhoch.
IHKs und AHKs sind erste Ansprechpartner
Die Industrie- und Handelskammern sind in diesem Zusammenhang erster
Ansprechpartner, wenn es um die Erschließung neuer Auslandsmärkte
geht. „Für die deutsche Reformdebatte heißt das: Wir dürfen nicht
nachlassen in der Modernisierung unseres Landes, um uns wieder international
wettbewerbsfähig zu machen. Denn die Welt um uns herum dreht sich
weiter und nimmt keine Rücksicht auf deutsche Wahltermine“, so Korte.
Ohne wirtschaftliches Wachstum geht gar nichts. Und dieses kommt
immer mehr durch den Export zustande.
„Der Export sorgt mittlerweile für fast 40 Prozent
des deutschen Bruttoinlandsprodukts und ist für etwa neun Millionen
Arbeitsplätze in Deutschland, also knapp ein Viertel, verantwortlich“,
so Thumann. Die DAX-30 Unternehmen machen heute nur noch ein Viertel
ihres Umsatzes im Inland. Bei Unternehmen bis zu einer Millionen
Euro Umsatz ist jedes Fünfte aktiv im Exportgeschäft. Dabei machen
deutsche Unternehmen über ihre Auslandstöchter mehr als doppelt
so viel Umsatz wie über Exporte aus Deutschland. In den USA liegt
dieses Verhältnis sogar bei sechs zu eins.
Der Export bildet jedoch nur die Vorhut bei der
Markterschließung. Um den Markt richtig durchdringen zu können,
spielt die Wertschöpfung vor Ort über Vertriebsgesellschaften oder
Produktionsstandorte eine immer wichtigere Rolle.
Bei der Podiumsdiskussion wurden Visionen und Trends
im Exportgeschäft sowie auf den Hauptabsatzmärkten der Welt diskutiert.
Die Heitkamp & Thumann KG von BDI-Präsident Jürgen R. Thumann in
Düsseldorf ist mit 26 Gesellschaften und 16 Standorten besonders
international aufgestellt. Etwa 40 Prozent des Umsatzes wird bereits
in den USA erwirtschaftet, 27 Prozent in Europa ohne Deutschland.
„Strategisch haben wir uns mit einer komplementären Wertschöpfung
auf einen kleinen Markt mit einer kleinen Produktgruppe konzentriert.
In diesen Nischen können wir aber auch nur den Preis und die Standards
von Produkten und Prozessen bestimmen, weil wir vor Ort vertreten
sind. Volksbank Musterstadt eG Jetzt kann ich mit meiner neuen Kollektion
richtig loslegen. Gut, dass ich rechtzeitig mit meiner Bank über
die Finanzierung gesprochen habe. Partner des Mittelstands – Der
Mittelstand ist der wichtigste Impulsgeber für Wirtschaftswachstum
und Innovation und wir fördern ihn seit unserer Gründung. Das Ergebnis:
eine gewachsene, enge Partnerschaft, in der wir Ziele gemeinsam
erreichen. Das ist Handeln nach dem «Wir machen den Weg frei » Prinzip.
www.vr-nrw.de Volksbank Wir arbeiten im FinanzVerbund mit der WGZ
-Bank Westdeutsche Genossenschafts-Zentralbank eG, Bausparkasse
Schwäbisch Hall AG, DG HYP Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank
AG, DIFA Deutsche Immobilien Fonds AG, Münchener Hypothekenbank
eG, R+V Versicherung AG, Union-Investment-Gruppe, VR-Leasing AG,
WL-BANK WESTFÄLISCHE LANDSCHAFT Bodenkreditbank AG. Unsere Firmensprache
ist zudem seit langem Englisch, so dass wir nie Probleme bei der
Kommunikation mit unseren Töchtern im Ausland hatten“, sagte Thumann.
Asiatischer Markt wird immer wichtiger
Mit über 500 Mitarbeitern, einem weltweiten
Vertreternetz und einer Exportquote von etwa 50 Prozent produziere
man weiterhin an vier Standorten nur in Deutschland, erklärte SIHK-Vizepräsident
Axel Vollmann, geschäftsführender Gesellschafter der Otto Vollmann
GmbH in Gevelsberg. In China ist man seit zehn Jahren durch einen
Partner präsent. Gerade der asiatische Markt wird immer wichtiger.
Jedoch leidet die Innovation und Flexibiltät in Deutschland, wenn
zu große Anteile im Ausland gefertigt würden.
Für Hans-Otto Franz, geschäftsführender Gesellschafter
der größten deutschen Schmierfettfabrik, der Carl Bechem GmbH in
Hagen, sind persönliche Beziehungen, gutes Personal und die Kenntnis
interkultureller Besonderheiten das A und O im Außenhandel. Wir
bauen zur Zeit eine 100-prozentige Tochtergesellschaft in Shenyang/China
auf. Daneben produzieren wir in Frankreich, Indien, Russland, Südafrika
und den USA. Zukunftsmärkte liegen für uns in Osteuropa und den
GUS-Staaten, Südamerika und China“, so Franz.
Nur als Produzent Einfluss auf Normen
„Nur als Produzenten können wir beispielsweise auf die Normen eines
Landes Einfluss nehmen und neue Märkte nur erschließen, wenn wir
vor Ort sind“, so Ernst Schulte, geschäftsführender Gesellschafter
des Familienunternehmens ECO Schulte GmbH, Produzent von Schloss-
und Verriegelungstechnik in Menden. „Wir haben eigene Auslandsgesellschaften
in Polen, Russland und China. In der Freihandelszone Zhuhai produzieren
wir seit 2003 mit mittlerweile 60 Mitarbeitern Türbeschläge und
koordinieren von dort sämtliche Vertriebsaktivitäten im asiatischen
Raum.“
SIHK-Präsident Harald Korte sieht eine der wichtigsten
Kammeraufgaben darin, Unternehmen in ihrer Internationalisierungsstrategie
zu unterstützen. Daher bietet die SIHK mit dem einmal jährlich stattfindenden
Exportforum eine Diskussionsplattform und einen Erfahrungsaustausch
für Entscheidungsträger aus den Unternehmen an.
|
|