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© Westfälische Rundschau 12.05.2005

 
 

Otto Vollmann: Heute ein wichtiger Automobilzulieferer

Familienbetrieb wurde mit dem Leuchtengeschäft zur internationalen Firma

Die Fertigung von Lampenfassungen ist das ursprüngliche Geschäft der Firma Otto Vollmann. Mittlerweile engagiert sich das Unternehmen auch in anderen Märkten - etwa im Bereich Automobilzubehör (© Bild: Speckenwirth)

Von Désirée Linde

Die Otto Vollmann GmbH & Co. KG bekennt sich zum Standort Gevelsberg. Gestern wie heute. Der Familienbetrieb mit Hauptsitz an der Rosendahler Straße hat sich in den letzten Jahren zu einem modernen, international tätigen Fertigungsbetrieb entwickelt. Ein Abwandern in Billiglohnländer steht für die heimische Firma nicht zur Debatte.

Gerade deshalb befindet sich das Unternehmen in stetem Wandel. Längst ist es nicht mehr nur der Fassungshersteller, der - wie zu den Anfängen 1911 - Leuchtenfassungen etwa für Edison und Bajonett herstellt. Oder auch später, als die zweite Generation, ebenfalls ein Otto Vollmann, nach dem Krieg noch mit der Handkarre die Materialien am Bahnhof abholte.

Bereits 1938 hatte sich das Gründerpaar getrennt. Adolf Vollmann spezialisierte sich in der Hammerstraße auf Metallarbeiten. Otto Vollmann blieb in der Elektrosparte und stellte weiter Lampenfassungen aus Metall und Keramik her. "Die meisten kennen uns auch heute nur durch die Leuchtenindustrie", vermutet Prokurist Thomas Erdelt.

Vollmann verfügt über einen modernen Maschinenpark: Hier ein Fertigungsroboter für Türfeststeller und Ähnliches (© Bild: Speckenwirth)

Bis vor zehn Jahren hätte das sogar noch gestimmt: "Nach dem zweiten Weltkrieg ist Otto Vollmann da nämlich richtig durchgestartet", weiß Thomas Erdelt. 1984 dann der Rückschlag: Der komplette vordere Gebäudeteil der Firmenräume in der Rosendahler Straße brannte aus. Doch Dank der Hilfe der Belegschaft, die beim Wiederaufbau mithalf, kam das Unternehmen schnell wieder auf die Beine. Seitdem leitet mit Axel Vollmann bereits die dritte Generation den Betrieb. Das Geschäft läuft besser denn je: Für Produkte wie den Steckkontakt für Niedervolt wurden Patente angemeldet.

Nach dem Wegbruch fast der gesamten Wohnraumleuchtenindustrie im Sauerland mussten neue Geschäftsfelder erschlossen werden. Hier hatte die Geschäftsführung bereits vorgesorgt: Bereits 1994 war in Scheibenberg (Erzgebirge) ein weiterer Standort errichtet worden. Dort lag der Schwerpunkt auf der Herstellung von Stanzteilen. So stieg das Unternehmen in die Automobilzulieferindustrie ein, die heute über 50 Prozent der gesamten Produktion ausmacht. "Otto Vollmann hatte sich seiner Zeit kaum vorstellen können, dass sein Unternehmen eine solche Entwicklung vollziehen würde", weiß Erdelt.

Dennoch ist der Druck, in Billiglohnländer abzuwandern, heute präsenter denn je. Vollmanns Strategie: Lösungen aus einer Hand anzubieten. So wurde 1998 eine weitere Produktionsstätte in Welzow (Niederlausitz) aufgebaut. Hinzu kommen Firmen-Beteiligungen.

"Es wird geguckt, welcher Schwerpunkt zu welchem Standort passt", erklärt Erdelt. "Die Arbeitsplätze an allen drei Standorten sichern sich gegenseitig." In der Praxis heißt das: In Gevelsberg wird Kunststoff gepresst und gespritzt, in Scheibenberg Metallteile gestanzt und in Welzow alles montiert.

Axel Vollmann und Thomas Erdelt (v.l.) mit einem Türfeststeller des neuen 5er BMW vor dem historischen Gebäude (© Bild: Speckenwirth)

Durch die hohe Automatisierung kann der Lohnanteil an einem Werkstück so gering gehalten werden, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht leidet.

Qualität bei den Mitarbeitern sorgt dabei für das Fertigungs-Know-how. Hier liegt jedoch zunehmend das Problem: Obwohl das Unternehmen fünf Auszubildende als Mechatroniker, Industriekaufmann oder technischer Zeichner beschäftigt, wird es immer schwieriger, an hochqualifizierte Bewerber für den technischen Bereich zu kommen.

Teile des Gevelsberger Unternehmens sind etwa in Airbags zu finden oder in den Scharnieren einer Tür des neuen 5er-BMW. Zu den namhaften Kunden zählen Sachs, Kiekert und Edscha. Hier sieht das Unternehmen seine Zukunft. Neuerdings wird auch in die Telekommunikationsbranche investiert. "Wären wir ausschließlich beim Leuchtengeschäft geblieben, hätte man uns aufgekauft" ist sich Thomas Erdelt sicher.

Fakten zur Firma

Das Unternehmen Vollmann wurde 1911 von den Gebrüdern Adolf und Otto Vollmann gegründet. Von 20 Angestellten in Gevelsberg 1911 ist die Vollmann-Group, wie sie heute heißt, auf insgesamt 285 Mitarbeiter angewachsen, verteilt auf den Hauptsitz Gevelsberg (80), Scheibenberg (185) und Welzow (20). Der Jahresumsatz beläuft sich auf 25 Millionen Euro plus 25 Millionen Euro in den Unternehmen, an denen Beteiligungen gehalten werden. Hier gibt es weitere 230 Beschäftigte. Allein elf Millionen Euro werden in Gevelsberg erwirtschaftet.

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