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Welzow stemmt sich gegen China
Westfälische Vollmann-Gruppe
hält mit Leuchtenmontage Arbeit in der Niederlausitz
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Alles wichtige im Blick hat Kontrolleurin
Nicole Biermann von der LU Leuchtenumformtechnik GmbH in Welzow.
Das Foto zeigt sie bei der Prüfung von Einbauleuchten.
Dabei wird auf die Oberflächenqualität geschaut
und die richtige Etikettierung geprüft. Die Etikettierung
informiert den Endverbraucher über den Hersteller und
enthält Hinweise für den Installateur der Einbauleuchten
wie den vorgeschriebenen Abstand zu angestrahlten Flächen.
© Kurtas
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Dort, wo in Welzow (Spree-Neiße) bis zur Wende
Beleuchtungsglas hergestellt wurde, dreht sich heute wieder alles
um Leuchten, allerdings um Lampenfassungen und -elektrik sowie Montage
und Logistikdienstleistungen. Die westfälische Vollmann-Gruppe schwört
auf die motivierte Mannschaft und die Infrastruktur in der Niederlausitz.
Der Standort ist ein wichtiges Bindeglied des Lampenspezialisten
und Automobilzulieferers mit drei Werken in den neuen Ländern. Die
Westfalen sehen Welzow langfristig wettbewerbsfähig gegenüber Polen
und China.
Von Beate Möschl
Die LU Leuchtenumformtechnik GmbH Welzow ist zwar
der kleinste Betrieb der Vollmann-Gruppe, aber er sichert neben
23 fest angestellten Mitarbeitern zusätzlich Beschäftigung für rund
300 Menschen mit Handicap in den Behindertenwerkstätten der Lausitz.
Zudem gibt er je nach Auftragslage 30 bis 40 Aushilfskräften die
Möglichkeit, etwas zuzuverdienen - darunter Hartz-IV-Empfänger und
Arbeitslose ohne Anspruch auf Leistungen vom Staat. Sie montieren
Lampenfassungen, Elektrifizierungs-Sets sowie Einbauleuchten und
Deckenlampen. Sie etikettieren, kommissionieren und verpacken die
Ware. Pro Woche füllen sie damit vier bis fünf Lkw-Sattelzüge.
Seit 1998 hat Vollmann die gesamte Leuchtenmontage
in Welzow konzentriert. "Wer heute hier einen Arbeitsplatz
hat, direkt vor der Haustür, der kann sich glücklich schätzen",
sagt Rita Gregor. Die 51-Jährige überprüft in der Endkontrolle Steckverbindungen,
die in den Behindertenwerkstätten montiert worden sind.
Gut eingespieltes Team
Einen Raum weiter, im Bereich Verpackung, ist Petra Schärer ins
Kontrollieren vertieft. Die Köchin aus der ehemaligen Zentralwerkstatt
von Baumaschinen Welzow gehört zu den 23 fest angestellten Mitarbeitern.
Immer wieder greift sie in die Kiste links neben sich, holt einen
kleinen Pappkarton raus, schaut, ob alle Lampenringe für die Einbauleuchte
drin sind, macht die Schachtel zu, stellt sie aufs Band und greift
die nächste. Die einfache Arbeit empfindet sie nicht als stupide,
versichert die 43-Jährige.
Am Ende des Packbandes stapelt Angelika Kaps kleine
Einbauleuchten-Kartons in einen großen für den Versand. Die Welzowerin,
die seit drei Jahren einen Vollzeitjob in dem Betrieb hat, ist wie
die anderen auch an jeder Station - ob Montage, Endkontrolle, Konfektionierung
oder Versand - einsetzbar. "Wir sind ein gut eingespieltes
Team, verstehen uns, so macht die Arbeit Spaß", sagt die 47-Jährige.
Auch sie hat es nicht weit zur Arbeit. Das wiegt die vergleichsweise
geringe Entlohnung auf, die es für die einfache Arbeit gibt.
Es sind die insgesamt niedrigen Kosten, die den
Standort interessant für die Vollmanns gemacht haben und langfristig
Wettbewerbsvorteile verschaffen. Aber auch "die gute Infrastruktur,
die zuverlässige Mannschaft, die neue Herausforderungen positiv
aufnimmt und sehr selbstständig ihre Arbeit organisiert", wie
Thomas Erdelt, Mitglied der Geschäftsleitung der Vollmann-Gruppe,
betont. "Wir haben extrem wettbewerbsfähige Kosten in der Niederlausitz,
da brauchen wir nicht nach Polen zu gehen und können uns auch mit
China messen", ergänzt er.
"Wir arbeiten seit Jahren eng mit den Behindertenwerkstätten
der Region zusammen. Das hilft beiden Seiten und die Handarbeit
bleibt bezahlbar", erklärt Werkleiter Frank Pruska die günstige
Kostenstruktur. Etwa 20 bis 30 Prozent der Leuchtenmontage sind
reine Handarbeit.
Das Konzept der Welzower und die Zulieferungen aus
der Vollmann-Gruppe bewähren sich. Pruska verweist auf einen Holländer,
der Produktion von Indonesien abgezogen und sie stattdessen in Welzow
in Auftrag gegeben hat. Ein Deckenleuchtenhersteller aus Deutschland
wiederum schwenkte von Lettland auf Welzow um. "Die kurzen
Wege, und der stimmige Preis lassen den einen oder anderen umdenken".
Erdelt denkt inzwischen darüber nach, die Welzower
stärker ins Automobilzuliefergeschäft einzubeziehen. Es gibt auch
in diesem Bereich noch viele manuelle Tätigkeiten. Die müssen aus
seiner Sicht nicht alle in den nahen oder fernen Osten ausgelagert
werden. "Einen Teil davon können wir gut und gerne in Welzow
erledigen", wirbt der Prokurist. Die Vollmann-Gruppe realisiert
50 Prozent des Umsatzes mit Zulieferungen für die Automobilindustrie.
Bei Einbau- und Strahlerleuchten für Wohnräume ist das vom geschäftsführenden
Gesellschafter Axel Vollmann in dritter Generation gesteuerte Familienunternehmen
der einzige große Massenproduzent in Deutschland.
Standort ist besser als
sein Ruf
"Der Standort Deutschland bietet hervorragenden Möglichkeiten",
wie Erdelt betont. "Es gibt Niedriglohngebiete, die es ermöglichen
in Nischen selbst gegenüber Asien wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn
man intelligente Systeme anwendet". Ein Niedriglohngebiet ist
Welzow. Eine Nische ist die Produktion von Einbauleuchten, für die
die meisten Teile in Vollmann-Betrieben hergestellt werden. Das
intelligente System ist die Verzahnung der ost- und westdeutschen
Werke und zwar so, dass sie sich gegenseitig bedingen und aus Schwächen
einzelner Standorte Stärken für die gesamte Gruppe werden. "Wenn
wir gemeinsam Erfolg haben, hilft das der Region und lässt uns gegenhalten
gegen den Wettbewerbsdruck aus China."
HINTERGRUND
Ins rechte Licht gerückt
Auf dem Gelände in der Welzower Jahnstraße
stellten bis zur Wende rund 300 Frauen und Männer Beleuchtungsglas
her - überwiegend Glasschirme für Petroleumleuchten für die damalige
UdSSR. 1991 wurde das Werk an den Wohnraumleuchtenhersteller Walter
Hustadt Leuchten privatisiert. Im November 1998 verkaufte Hustadt
das Werk an die Vollmann-Gruppe. Sie produziert hochwertige Komponenten
und Baugruppen für Autozulieferer, Leuchtenhersteller und die Telekommunikationsindustrie.
Montiert werden in Welzow unter anderem Einbauleuchten,
Baugruppen für Pflanzenstrahler, Elektrifizierungs-Sets, Strahler-
und Trendleuchten wie Salzkristall- und Lavalampen.
Die Vollmann-Gruppe sichert rund 323 Arbeitsplätze
an vier Standorten. Am Hauptsitz Gevelsberg sind 80 Mitarbeiter
beschäftigt, im sächsischen Scheibenberg 185, in Welzow 23 und in
Seebach bei Eisenach 85. Der Jahresumsatz erreicht 25 Millionen
Euro plus 25 Millionen Euro in Unternehmen, an denen die Vollmann-Gruppe
Beteiligungen hält. Hier gibt es weitere 230 Beschäftigte.
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