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© Lausitzer Rundschau / Nr. 261 / 9. November 2005

 
 

Welzow stemmt sich gegen China

Westfälische Vollmann-Gruppe hält mit Leuchtenmontage Arbeit in der Niederlausitz

Alles wichtige im Blick hat Kontrolleurin Nicole Biermann von der LU Leuchtenumformtechnik GmbH in Welzow. Das Foto zeigt sie bei der Prüfung von Einbauleuchten. Dabei wird auf die Oberflächenqualität geschaut und die richtige Etikettierung geprüft. Die Etikettierung informiert den Endverbraucher über den Hersteller und enthält Hinweise für den Installateur der Einbauleuchten wie den vorgeschriebenen Abstand zu angestrahlten Flächen. © Kurtas

Dort, wo in Welzow (Spree-Neiße) bis zur Wende Beleuchtungsglas hergestellt wurde, dreht sich heute wieder alles um Leuchten, allerdings um Lampenfassungen und -elektrik sowie Montage und Logistikdienstleistungen. Die westfälische Vollmann-Gruppe schwört auf die motivierte Mannschaft und die Infrastruktur in der Niederlausitz. Der Standort ist ein wichtiges Bindeglied des Lampenspezialisten und Automobilzulieferers mit drei Werken in den neuen Ländern. Die Westfalen sehen Welzow langfristig wettbewerbsfähig gegenüber Polen und China.

Von Beate Möschl


Die LU Leuchtenumformtechnik GmbH Welzow ist zwar der kleinste Betrieb der Vollmann-Gruppe, aber er sichert neben 23 fest angestellten Mitarbeitern zusätzlich Beschäftigung für rund 300 Menschen mit Handicap in den Behindertenwerkstätten der Lausitz. Zudem gibt er je nach Auftragslage 30 bis 40 Aushilfskräften die Möglichkeit, etwas zuzuverdienen - darunter Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose ohne Anspruch auf Leistungen vom Staat. Sie montieren Lampenfassungen, Elektrifizierungs-Sets sowie Einbauleuchten und Deckenlampen. Sie etikettieren, kommissionieren und verpacken die Ware. Pro Woche füllen sie damit vier bis fünf Lkw-Sattelzüge.

Seit 1998 hat Vollmann die gesamte Leuchtenmontage in Welzow konzentriert. "Wer heute hier einen Arbeitsplatz hat, direkt vor der Haustür, der kann sich glücklich schätzen", sagt Rita Gregor. Die 51-Jährige überprüft in der Endkontrolle Steckverbindungen, die in den Behindertenwerkstätten montiert worden sind.

Gut eingespieltes Team

Einen Raum weiter, im Bereich Verpackung, ist Petra Schärer ins Kontrollieren vertieft. Die Köchin aus der ehemaligen Zentralwerkstatt von Baumaschinen Welzow gehört zu den 23 fest angestellten Mitarbeitern. Immer wieder greift sie in die Kiste links neben sich, holt einen kleinen Pappkarton raus, schaut, ob alle Lampenringe für die Einbauleuchte drin sind, macht die Schachtel zu, stellt sie aufs Band und greift die nächste. Die einfache Arbeit empfindet sie nicht als stupide, versichert die 43-Jährige.

Am Ende des Packbandes stapelt Angelika Kaps kleine Einbauleuchten-Kartons in einen großen für den Versand. Die Welzowerin, die seit drei Jahren einen Vollzeitjob in dem Betrieb hat, ist wie die anderen auch an jeder Station - ob Montage, Endkontrolle, Konfektionierung oder Versand - einsetzbar. "Wir sind ein gut eingespieltes Team, verstehen uns, so macht die Arbeit Spaß", sagt die 47-Jährige. Auch sie hat es nicht weit zur Arbeit. Das wiegt die vergleichsweise geringe Entlohnung auf, die es für die einfache Arbeit gibt.

Es sind die insgesamt niedrigen Kosten, die den Standort interessant für die Vollmanns gemacht haben und langfristig Wettbewerbsvorteile verschaffen. Aber auch "die gute Infrastruktur, die zuverlässige Mannschaft, die neue Herausforderungen positiv aufnimmt und sehr selbstständig ihre Arbeit organisiert", wie Thomas Erdelt, Mitglied der Geschäftsleitung der Vollmann-Gruppe, betont. "Wir haben extrem wettbewerbsfähige Kosten in der Niederlausitz, da brauchen wir nicht nach Polen zu gehen und können uns auch mit China messen", ergänzt er.

"Wir arbeiten seit Jahren eng mit den Behindertenwerkstätten der Region zusammen. Das hilft beiden Seiten und die Handarbeit bleibt bezahlbar", erklärt Werkleiter Frank Pruska die günstige Kostenstruktur. Etwa 20 bis 30 Prozent der Leuchtenmontage sind reine Handarbeit.

Das Konzept der Welzower und die Zulieferungen aus der Vollmann-Gruppe bewähren sich. Pruska verweist auf einen Holländer, der Produktion von Indonesien abgezogen und sie stattdessen in Welzow in Auftrag gegeben hat. Ein Deckenleuchtenhersteller aus Deutschland wiederum schwenkte von Lettland auf Welzow um. "Die kurzen Wege, und der stimmige Preis lassen den einen oder anderen umdenken".

Erdelt denkt inzwischen darüber nach, die Welzower stärker ins Automobilzuliefergeschäft einzubeziehen. Es gibt auch in diesem Bereich noch viele manuelle Tätigkeiten. Die müssen aus seiner Sicht nicht alle in den nahen oder fernen Osten ausgelagert werden. "Einen Teil davon können wir gut und gerne in Welzow erledigen", wirbt der Prokurist. Die Vollmann-Gruppe realisiert 50 Prozent des Umsatzes mit Zulieferungen für die Automobilindustrie. Bei Einbau- und Strahlerleuchten für Wohnräume ist das vom geschäftsführenden Gesellschafter Axel Vollmann in dritter Generation gesteuerte Familienunternehmen der einzige große Massenproduzent in Deutschland.

Standort ist besser als sein Ruf

"Der Standort Deutschland bietet hervorragenden Möglichkeiten", wie Erdelt betont. "Es gibt Niedriglohngebiete, die es ermöglichen in Nischen selbst gegenüber Asien wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn man intelligente Systeme anwendet". Ein Niedriglohngebiet ist Welzow. Eine Nische ist die Produktion von Einbauleuchten, für die die meisten Teile in Vollmann-Betrieben hergestellt werden. Das intelligente System ist die Verzahnung der ost- und westdeutschen Werke und zwar so, dass sie sich gegenseitig bedingen und aus Schwächen einzelner Standorte Stärken für die gesamte Gruppe werden. "Wenn wir gemeinsam Erfolg haben, hilft das der Region und lässt uns gegenhalten gegen den Wettbewerbsdruck aus China."


HINTERGRUND

Ins rechte Licht gerückt

Auf dem Gelände in der Welzower Jahnstraße stellten bis zur Wende rund 300 Frauen und Männer Beleuchtungsglas her - überwiegend Glasschirme für Petroleumleuchten für die damalige UdSSR. 1991 wurde das Werk an den Wohnraumleuchtenhersteller Walter Hustadt Leuchten privatisiert. Im November 1998 verkaufte Hustadt das Werk an die Vollmann-Gruppe. Sie produziert hochwertige Komponenten und Baugruppen für Autozulieferer, Leuchtenhersteller und die Telekommunikationsindustrie.

Montiert werden in Welzow unter anderem Einbauleuchten, Baugruppen für Pflanzenstrahler, Elektrifizierungs-Sets, Strahler- und Trendleuchten wie Salzkristall- und Lavalampen.

Die Vollmann-Gruppe sichert rund 323 Arbeitsplätze an vier Standorten. Am Hauptsitz Gevelsberg sind 80 Mitarbeiter beschäftigt, im sächsischen Scheibenberg 185, in Welzow 23 und in Seebach bei Eisenach 85. Der Jahresumsatz erreicht 25 Millionen Euro plus 25 Millionen Euro in Unternehmen, an denen die Vollmann-Gruppe Beteiligungen hält. Hier gibt es weitere 230 Beschäftigte.

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