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© SIHK, Januar 2009

 
 


Der Nachfrageeinbruch in der Automobilindustrie hat nach den Herstellern jetzt auch die südwestfälischen Zulieferer erreicht. Zahlreiche Aufträge wurden zum Ende des Jahres storniert.

SIHK-Vizepräsident Axel Vollmann, Moderator Dirk Glaser
und Jürgen Lang (von links). © Foto: Thomas Marotzke

„Schlüsselbranche Automobil - Wege aus der Absatzkrise" - so war Ende November das 9. Unternehmertreffen des Automotive Netzwerkes Südwestfalen bei der SIHK Hagen überschrieben. Dr. Helmut Becker, ehemaliger BMW-Chef-Volkswirt und renommierter Autoexperte machte den gebeutelten Zulieferern mächtig Mut: „Die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie hat so viele Fähigkeiten und Know-how, dass sie aus dieser Krise zwar etwas gerupft, aber insgesamt gestärkt herauskommt.“ Zwar werde es im ersten Quartal 2009 noch Kurzarbeit geben, aber „ich würde keinen einzigen Mitarbeiter entlassen, denn in ein paar Monaten werden die dringend für Sonderschichten gebraucht". Die südwestfälischen Zulieferer sind nach seiner Meinung im internationalen Vergleich besser aufgestellt als je zuvor. sie müssten jetzt eine sechsmonatige „Trockenperiode" überstehen.

Automotive-Zulieferer
vor schwierigem Jahr

SIHK-Vizepräsident Axel Vollmann, Geschäftsführer Vollmann-Group, Gevelsberg, hörte die Prognosen für das zweite Halbjahr gerne und sagte: „Unsere Aufträge sind zum Ende des Jahres mit einem Schlag um 30 bis 35 Prozent eingebrochen. Ein paar Monate können wir sicherlich auch mit einem Umsatzverlust leben ohne Stellen abzubauen, dann allerdings müsste es auch wieder aufwärts gehen.“

Dr. Manfred Schubert, Dr. Helmut Becker und Friedrich W. R.
Brökelmann (von links). © Foto: Thomas Marotzke

Eine Blitzumfrage des Automotive-Netzwerks Südwestfalen zeigt einen deutlichen Stimmungsumschwung. Prägten noch vor wenigen Wochen Lieferengpässe, Fachkräftebedarf und hohe Rohstoffpreise das Bild hat sich nun der rückläufige Neufahrzeug-Absatz in den USA und Europa - im September acht Prozent weniger Zulassungen - auch in den Auftragsbüchern der Zulieferer in Südwestfalen niedergeschlagen. „Bei mehr als zweidrittel der Unternehmen hat sich die Auftragslage seit dem Sommer verschlechtert, bei 20 Prozent sogar besonders gravierend. Weil eine gewisse Beruhigung nach dem Boom da und dort ganz recht kommt, fällt die Bewertung der aktuellen Geschäftslage insgesamt noch befriedigend aus“, berichtet Thomas Frye vom Automotive-Netzwerk Südwestfalen.
Eingebrochen sind hingegen die Erwartungen für 2009. Mehr als 60 Prozent der Netzwerk-Mitglieder gehen von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus. Sie erwarten Umsatzrückgänge und als Folge sinkende Investitionen und einen deutlich geringeren Personalbedarf. Ein Mittel, um aktiv den Verlusten gegenzusteuern sieht Vollmann derzeit nur an einer einzigen „Stellschraube" - den Personalkosten. „Kurzarbeit oder zwangsweise verlängerte Weihnachtsferien haben sich auch in der Region niedergeschlagen", bestätigt Thomas Frye.

„Aufschwung wird
mehrere Jahre andauern“

Dr. Manfred Schubert aus dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin konnten den Unternehmern keine Zusagen der Bundesregierung im Hinblick auf Liquiditätshilfen oder Subventionen beim Neuwagenkauf nach US-Vorbild überbringen. Er betonte aber, dass die Bundesregierung ein neues, zeitlich befristetes Instrument der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geschaffen habe, um die Finanzierung des Mittelstandes zu stabilisieren [zeitlich befristet bis Ende 2009]. Alle Unternehmen mit einem Gruppenumsatz von bis zu 500 Mio. Euro können daran teilnehmen.
In diesem Zusammenhang kann durch die Hausbanken eine bis zu 90-prozentige Haftungsfreistellung bei Investitionen und von 50 Prozent bei Betriebsmitteln in Anspruch genommen werden. Anträge nimmt die KfW seit dem 1. Dezember entgegen.

Das Interesse der Zuschauer war riesengroß.
© Foto: Thomas Marotzke

Die Kritik von Dr. Helmut Becker an der politischen Entscheidung, die Mehrwertsteuer um drei Prozent zu erhöhen, gleichzeitig aber nicht die Einkommensteuer gesenkt zu haben nahm Schubert als „Anregung“ mit nach Berlin. „Wir brauchen mehr Netto- vom Brutto-Gehalt. Eine Stärkung des privaten Verbrauchs ist unerlässlich", betonte Dr. Becker ausdrücklich, denn Voraussetzung für einen Aufschwung sei ein neues Vertrauen in Märkte und Gesellschaft. Becker prophezeite: „Im Januar oder Februar wird es ein Steuersenkungsprogramm geben, im April/Mai wird die Autoindustrie durchstarten und ab September profitieren dann auch die Zulieferer wieder vom Klima. Der Aufschwung wird über mehrere Jahre andauern."
Das zweite Halbjahr bringt aus der Sicht von Axel Vollmann eine Belebung. „Das deutsche Volk ist voll von Angsthasen. Die Amerikaner bewältigen eine Krise sehr viel schneller. Aber es reicht ja schon, wenn der Konsum in den USA wieder neuen Wind bekommt." Auch Friedrich W.R. Brökelmann (Brökelmann Aluminiumwerk, Ense), sah trotz aller momentanen Probleme keinen Grund für eine Weltuntergangsstimmung. „Wir kommen gut zurecht."

Thomas Marotzke


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